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Übergewicht

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W i s s e n s w e r t e s / Z i e l e

Gewichtsabnahme: Realistische Ziele setzen

Zuviel, zu fett, zu einseitig: Das Problem von Übergewicht bis hin zur
Fettleibigkeit (Adipositas) nimmt in den westlichen Industrieländern
einen immer größeren Stellenwert ein. Anzeigen der Yellowpress
gaukeln abnahmewilligen Übergewichtigen nur zu gern vor, die Fett-
Wegschmelz-Pille sei erfunden. Abnehmen ganz leicht gemacht, bleibt
bis heute jedoch ein Wunschtraum. Die Wahrheit ist: Die Therapie ist
schwierig und langwierig und setzt einen ei-sernen Durchhaltewillen
voraus. Diesen zu unterstützen und die notwendige Hilfestellung
diätetisch und medikamentös anbieten
– das wollen wir, das Quellen-Apotheken-Team.
Apothekerin Dr. Eva-Maria Stoya


Haben Sie Übergewicht?

Haben Sie zu Weihnachten essensmäßig „gesündigt“. Oder sind Sie
sonst irgendwie unzu-frieden mit Ihrer Figur bzw. einigen lästigen
Pfunden?
Dann rechnen Sie bitte aus, ob und in welchem Maße Sie unter
Übergewicht leiden. Das Quellen-Apotheken-Team hilft Ihnen auch
gerne dabei. Kommen Sie einfach vorbei!
Übergewicht
Übergewicht – ein Gesundheitsrisiko!

Bei der Bewertung der gesundheitlichen Gefährdung durch Übergewicht
kommt zum einen der Body Mass Index zum Tragen. Wichtig ist darüber
hinaus aber, wo die überflüssigen Pfunde sitzen. Eine bauchbetonte
Fettverteilung („Apfel-Typ“, vor allem bei Männern) bedroht die Gesundheit
nachhaltiger als eine hüftbetonte Fettverteilung
(„Birnen-Typ“, vor allem bei Frauen).

Die möglichen Komplikationen einer langandauernden Übergewichtigkeit
sollten nicht unterschätzt werden: Kurzatmigkeit und Asthma, Hypertonie
und Arteriosklerose, Krampfadern und Thrombose, verringerte Leistungs-
reserven, Fettleber, degenerativer Rheumatismus, Gicht und Diabetes
mellitus Typ II sind bekannte Sekundärerkrankungen.

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Broca-Index out, BMI in
Der Pariser Chirurg Pierre Paul Broca
empfahl bereits vor mehr als 100 Jahren
den Broca-Index zur einfachen Berechnung
des Idealgewichtes:

Sollgewicht (kg) = Körpergröße (cm) – 100
Idealgewicht (kg) = Sollgewicht (kg)
– 10 % (Männer) / – 15 % (Frauen)

Heutzutage wird eher der Body Mass Index
(BMI) erfaßt, der sich nach folgender Formel errechnet:

          Gewicht        kg
BMI = ––––––––– [–––]
          Größe x Größe m2

Der Schweregrad des Übergewichtes wurde festgelegt:
Gewichtsklasse: BMI (kg/m2)
Normalgewicht 18,5-24,9
Übergewicht >25
Leichtes Übergewicht 25-29,9
Adipositas Grad I 30-34,9
Adipositas Grad II 35-39,9
Adipositas Grad III ab 40


T h e r a p i e - E m p f e h l u n g e n   Medikamente


Abnehmen – aber richtig!

Langfristig kann Körpergewicht nur durch
- rigorose Umstellung der Ernährung,
- Änderung des Eßverhaltens sowie
- viel körperliche Aktivität
reduziert werden.

FDH (Friss die Hälfte), kombiniert mit IDH (Iss das Richtige), sind beim
Eßverhalten Stich-worte hierzu. Eine langsame Gewichtsreduktion wird durch
Essen kleiner Portionen, Auslas-sen von Zwischenmahlzeiten mit Verzicht
auf leere Energieträger wie Süßigkeiten, Alkohol und Salzgebäck sowie
Auslassen kalorienreicher Nahrungsmittel wie Pommes frites, Bratkartoffeln,
Sahnesoßen und Pizza erreicht. Statt dessen sollten Übergewichtige Obst,
Gemüse und Salat zu sich nehmen.
Im Handel sind unterstützend zahlreiche energiereduzierte Fertignahrungs-
mittel, etwa mit Süßstoff gesüßte Marmelade, fettreduzierte Wurst,
entsprechender Käse, Halbfettmargarine und selbst mit Kalorienangabe
ausgezeichnete Fertigmenüs erhältlich.

Auch durch Einsatz von Fettersatzstoffen wie Olestra, einem synthetischen
Fett, das von der Lipase im Darm nicht gespalten wird, versucht man die
Fettaufnahme zu drosseln.

Durchblick im Diäten-Dschungel

Jedes Jahr kommen neue Diäten auf den Markt. Für uns als Apothekenpersonal
bedeutet dies, großes Fingerspitzengefühl walten zu lassen, gerade wenn
Kunden von in Hochglanzmagazinen angepriesenen, revolutionär neuen
Methoden der Gewichtsreduktion lesen und um kompetenten Rat fragen.
Eine gute Diät ist abwechslungsreich, schmackhaft und sättigend. Einseitige
Diätvorschriften fördern den Mangel an bestimmten Nährstoffen, der Heißhunger
auf verbotene Speisen wächst. Statt eine gesunde Ernährungsweise einzuüben,
verlieren deren Anwender meist irgendwann die Kontrolle und schlagen richtig zu.
Eine Gewichtszunahme statt -abnahme ist langfristig fast vorprogrammiert.
Der Körper schaltet bei Radikalkuren (Einseitige Kost, Nulldiät oder Fastenkur)
auf „Sparflamme“ um, das bedeutet der Grundumsatz wird herabgesetzt. Nach
Beenden der Diät bleibt der Grundumsatz zunächst auf niedrigem Niveau, die
zugeführte Energie nutzt der Körper primär, um die Fettreserven wieder aufzufüllen.
Der bekannte JoJo-Effekt setzt ein.

Eine ausgewogene, energiereduzierte Mischkost ab 1000 kcal täglich
(beispielsweise Brigitte-Diät) gilt langfristig als erfolgreichste Ernährungsform.
& Daneben können aus Gesundheitsgründen noch sogenannte Formula-Diäten
(Slim Fast® & Co.) sinnvoll sein.



Formula-Diät und Ballaststoffe

Formula-Diäten (beispielsweise Slim Fast®, bio Norm®, modifast®) dienen dem
vollständigen und teilweisen Nahrungsersatz. Es sind Nährstoffkonzentrate mit
definierten Eiweiß-, Fett- und Kohlenhydratanteilen, die mit Vitaminen und
Mineralstoffen angereichert sind und dadurch alle essentiellen Nahrungsbestandteile
enthalten. Sie sind meist in Einzelportionen zu 150 bis 300 Kilokalorien abgepackt.
Mit Wasser oder Milch angerührt, ergeben sie fertige Drinks, aber auch Müsli
oder Suppen. Der Lerneffekt hinsichtlich einer dauerhaften Ernährungsumstellung
ist allerdings gering. Da der Ballaststoffgehalt ebenfalls meist gering ist, werden
gerne kalorienarme, magenfüllende Quellstoffe wie Alginate, Guarmehl, Getreide-
oder Zitrusfasern zusätzlich empfohlen. Etwa eine halbe Stunde vor den Mahlzeiten
mit viel Flüssigkeit eingenommen, quellen sie unter Wasseraufnahme und
verursachen ein Sättigungsgefühl. Aber auch hier ist manchmal, wie etwa beim
Medizinprodukt CM3 mit hoch-vernetzter Cellulose, zur Vorsicht zu raten. CM3
soll bei einigen Anwendern schwerwiegende Nebenwirkungen, unter anderem a
uch lebensbedrohliche Darmverschlüsse hervorgerufen haben.

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M e d i k a m e n t e   Diät-Tabellen


Appetitzügler

Chemische Appetitzügler (Amphetamine) beeinflussen zentral das Sättigungs-
und Eß-zentrum im Gehirn, steigern den Stoffwechsel und die motorische Aktivität.
Da sie wegen aufputschender und euphorisierender Effekte gerne missbräuchlich
verwendet wurden und auch ein entsprechend hohes Abhängigkeitspotential sowie
starke Nebenwirkungen wie problematische Blutdruckanstiege aufwiesen, wurden
sie der Verschreibungspflicht unterstellt beziehungsweise im Sommer 2001
großteils ganz vom Markt genommen. Sie haben in der Übergewichts-Behandlung
ihre Bedeutung gänzlich verloren.

Umgekehrt haben sich als pflanzlicher Appetitzügler Mateblätter (Folia Mate)
durchgesetzt. Zwar wurde das „grüne Gold der Indios“, das besonders Hunger-
und Durstgefühl dämpfen soll, von der Aufbereitungskommission des Bundes-
gesundheitsamtes nur als Mittel gegen „geistige und körperliche Ermüdung“
anerkannt. Die Mateblätter, die unter anderem Coffein, Theobromin, gerbstoff-
ähnliche Substanzen und Triterpene enthalten, wirken dennoch bei vielen Menschen
mit Übergewicht erfahrungsgemäß appetithemmend.

Lifestyle-Medikamente

Lifestyle-Medikamente wie die seit 1998 auf dem Markt befindlichen Sibutramin
(Reduc-til®) oder Orlistat (Xenical®) sollen Übergewichtigen mit einem Body-Mass-
Index über 30 das Verlieren überflüssiger Pfunde erleichtern. Sie sind eine kleine
Hilfe zur Selbsthilfe. Beide Medikamente sind verschreibungspflichtig, eine ärztliche
Überwachung ist notwendig und sinnvoll.
Sibutramin ist ein sogenannter Serotonin-Noradrenalin-Reuptake-Inhibitor. Er steigert
das Sättigungsgefühl und den Grundumsatz des Körpers. Der durchschnittliche
Gewichtsverlust unter Sibutramin beträgt bei einer einmal täglichen oralen Gabe –
zusätzlich zu dem einer hypokalorischen Diät – etwa 15 Prozent im Jahr.
Die möglichen unerwünschten Wirkungen wie Zunahme der Herzfrequenz,
Hypertonie, Übelkeit, Obstipation, Nervosität, Schlaflosig-keit, Schwindel,
Depressionen, Kopfschmerzen oder Blasenentleerungs-Störungen, sind allerdings
nicht zu vernachlässigen. Auch ein mögliches Suchtpotential ist noch nicht gänzlich
auszuschließen.
Nicht in den Sättigungsgefühl-Haushalt des Zentralnervensystem sondern in die
Fettresorption des Darmes greift Orlistat ein. Orlistat bewirkt eine Verringerung
der Fett-Aufnahme in den Körper, wird selbst aber praktisch nicht resorbiert.
Unerwünschte Wirkungen äußern sich deswegen hauptsächlich nur im Magen-
Darm-Bereich. Stuhlerweichung, Fettstuhl oder dau-erndes Rennen aufs Klo,
manchmal auch Magenschmerzen kommen vor. Eingenommen werden 120 mg
vor, während oder bis zu einer Stunde nach jeder Mahlzeit.

Ein Mangel an fettlöslichen Vitaminen ist bei einigermaßen ausgewogener Diät-
Ernährung nicht zu erwarten. Der durchschnittlich nachgewiesene Gewichtsverlust
beträgt ähnlich wie bei Sibutramin 10 bis 20 Prozent in einem Jahr.



Diverse „Abspeckmittel“

Schilddrüsenhormone, Harntreibende Mittel (Diuretika)
oder Abführmittel zum Abnehmen einzusetzen,
ist absoluter Quatsch.
Über derartig mißbräuchliche Verwendung ist nur
eine kurzfristige Abnahmewirkung erzielbar, die
zudem mit starken gesundheitlichen Schäden verbunden
sein kann. Schilddrüsenhormone führen zwar über
einen stark gesteigerten Stoffwechsel zur Gewichts-
reduzierung. Unter anderem die starken Herz- und
Kreislaufnebenwir-kungen verbieten jedoch den Einsatz.
Diuretika mindern nur kurzfristig über eine vermehrte
Wasserausscheidung das Körpergewicht, die Fettdepots
werden nicht angegriffen. Abführmittel beschleunigen
primär die Dickdarmpassage, die Resorption kalorien-
reicher Nahrungsbestandteile findet großteils aber
schon im Dünndarm statt.


Dubiose Schlankheitsmittel

Durch dreiste Werbemethoden, mittels Flyern und
Anzeigen in der sogenannten Yellow-press gestützt,
werden immer wieder neue Schlankheitsmittel auf
den Markt geworfen. Bewusst wird die Seriosität der
Apotheke hierbei genutzt. Weil der Vorverkauf durch
die Werbung und die Hoffnung durch eine Wunderpille
das Übergewicht ohne Anstrengung beseitigen zu können,
überwiegen, steht die Apotheke diesen Machenschaften
häufig machtlos gegenüber. Die Behörden schaffen es
leider kaum, dem Vertrieb immer neuer Grauzonenpräparate,
die als „Fettfresser“ oder „Kapseln, die das Fett aufsaugen“
propagiert werden, einen Riegel vorzuschieben.

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Zeitschriften D i ä t - T a b e l l e n

Zwei bekannte Diäten im Vergleich

Brigitte Diät

Lebensmittel-Auswahl
Kaloriengehalt
Beschreibung
Bewertung
Ernährungsphysiologische
Bewertung
- Ausgewogene, energiereduzierte Mischkost
  mit 1000-1500 kcal/Tag.
- Baut großteils auf ovo-lacto-vegetabiler
  Basis auf, d.h. Verzehr von überwiegend
  pflanzlichen Lebensmitteln (vegetabel),
  ergänzt durch Eier (ovo) und
  Milchprodukte (lacto).
- Tägliche Fettzufuhr maximal 30 Gramm.
- Die Rezepte sind beliebig kombinierbar.
- Die Diät wird meist über einen Zeitraum
  von 8 Wochen angewandt.
- Individuelle Speiseplangestaltung
  möglich durch abwechslungsreiche,
  saisonbezogene Rezepte.
- Kochkenntnisse sind sinnvoll, ein
  relativ hoher Arbeitsaufwand für
  Einkauf und Zubereitung ist erforderlich.
- Unterstützung durch eine Gruppe fehlt.
- Die Bedeutung sportlicher Betätigung
  wird erwähnt.
- In 8 Wochen werden risikolos 5 bis
  10 kg Körpergewicht abgenommen.
- Ausreichende Nährstoffzufuhr
  ist vorhanden.
- Durch eine spezielle Aufbaukost
  kann sichergestellt werden, das
  reduzierte Gewicht dauerhaft zu
  halten. Voraussetzung hierfür ist,
  dass die Ernährungsweise
  beibehalten wird.
- Anwendungsempfehlung:
  für Personen, die gern nach exakten
  Rezepten kochen und keine
  Unterstützung durch eine Gruppe
  benötigen.

Fit-for-Life-Diät

Lebensmittel-Auswahl
Kaloriengehalt
Beschreibung
Bewertung
Ernährungsphysiologische
Bewertung
- Variante des Hayschen-Trennkostprinzips,
  also der strikten Trennung von eiweiß-
  und kohlenhydratreichen Nahrungsmitteln
  beim Verzehr
- Die Kost besteht zu 70 % aus Obst,
  Gemüse, Salat, zu 30 % aus Brot, Getreide,
  Fleisch. Milch und Milchprodukte sollen
  kaum verzehrt werden.
- Neben frischgepreßtem Saft wird destilliertes
  Wasser als Getränk empfohlen.
- Positiv ist der hohe Anteil an
  Rohkost.
- Zeitlich getrennt Proteine und Kohlen-
  hydrate aufzunehmen ist wissenschaftlich
  nicht begründet und schwierig
  durchzuführen.
- Manche Behauptungen wie
  „Milch verklebt die Schleimhäute
  und Darmwände“ klingen abenteuerlich.
- Ausreichende Nährstoffzufuhr
  ist aufgrund einseitiger Lebens-
  mittelauswahl schwer zu sichern.
  Insbesondere besteht die Gefahr
  einer Unterversorgung mit fettlöslichen
  Vitaminen (Vitamine A, D, E und K)
  sowie von Calcium, Eisen und Jod.
- Destilliertes Wasser als Getränk ist
  keinesfalls empfehlenswert.
- Mangelerscheinungen sind bei
  längerer Durchführung dieser
  Ernährungsweise wahrscheinlich.

[Beurteilung erfolgte durch anerkannte Ernährungswissenschaftler]


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