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Heuschnupfen-Geplagten Linderung verschaffen

Wissenswertes /Ziele

Niesreiz, Fließschnupfen, angeschwollene Nasenschleimhäute, Juckreiz,
eventuell tränende und brennende Augen – alle Jahre wieder stöhnen rund
16 Prozent aller Deutschen unter Heuschnupfen. Wissenschaftlich
erwiesen scheint, dass Säuglinge, die in den ersten sechs Monaten
ausschließlich gestillt wurden, seltener daran erkranken als „Flaschenkinder“.
Doch was hilft das dem heuschnupfengeplagten Erwachsenen? Hier und in
der Quellen-Apotheke finden Sie praktische Tipps, die schnellen Erfolg
versprechen.
Dr. Eva-Maria Stoya


Was ist “Heuschnupfen”?

Heuschnupfen ist im engeren Sinne eine Überempfindlichkeitsreaktion des
Körpers gegen bestimmte Blütenpollen (Pollinose). Diese führt, da sie nur
zu bestimmten Jahreszeiten auftritt, zur sogenannten „saisonalen
allergischen Rhinokonjunktivitis“. Im weiteren Sinne werden aber auch die
heuschnupfenartigen Reaktionen auf Hausstaub, Tierhaare oder Schimmelpilze
hierunter verstanden.
Da diese „perenia“ oder „ganzjährig“ auftreten, nennt sich dies im Fachjargon
dann „perenniale allergische Rhinokonjunktivitis“.
Bei etwa einem Drittel aller Heuschnupfengeplagten erfolgt nach acht bis 15
Jahren ein „Etagenwechsel“, das heißt die Entzündung greift von der Nase
auf die Bronchien über. Die Folge kann Asthma bronchiale sein.
Stoffe, die am häufigsten Heuschnupfen auslösen sind:
• Baumpollen (z.B. Haselnuß, Eiche, Ahorn, Ulme) im Frühjahr.
• Gräserpollen (typisch die Heuernte) im Sommer
• Kräuterpollen (z.B. Beifuß) im Herbst

Pollenflug
Die Allergie entsteht erst

Heuschnupfen ist eine übermäßige Reaktion des Immunsystems auf an sich
harmlose Stoffe. Beim Kontakt mit einer als „gefährlich“ eingestuften
Substanz (Antigen) läuft eine sogenannte Antigen-Antikörper-Reaktion ab.
Der Organismus bildet Antikörper (Immunglobulin E). Diese IgE-Antikörper
lagern sich an der Oberfläche von bestimmten Zellen im Körper, den
Mastzellen an. Ab dem Zweitkontakt mit dem gleichen Allergen produziert
der Organismus in einer Abwehrschlacht rasch sehr viele Antikörper (IgE).
In den Mastzellen gespeicherte Entzündungsmediatoren, vor allem Histamin,
aber auch Prostaglandine und Kinine werden jetzt durch Platzen freigesetzt
und lösen die allergische Entzündung aus. Dabei handelt es sich um eine
sogenannte allergische Reaktion vom Sofort-Typ.
Allergie-Diagnostik

Die Allergene aufspüren

Die Allergie-Diagnostik erfordert aufgrund der Vielzahl potentieller Allergene
fast schon detektivisches Gespür. Vier Stufen werden unterschieden:

1. Krankheitsvorgeschichte (Anamnese): Anhand der Symptome, die der
Patient schildert, können in Kombination mit dem jahreszeitlichen Krankheits-
beginn und weiteren Lebensgewohnheiten, die möglichen Allergene schon
weitgehend eingegrenzt werden.

2. Hauttests (Prick-Test; Intrakutan-Test): Der Prick-Test, ein mit Lösungen
verschiedener potentieller Allergie-Auslöser auf dem Unterarm des Patienten
durchgeführter Haut-Ritz-Test, ist die Standardmethode bei Allergien des
Soforttyps. Der Intrakutan-Test, bei dem mit feinen Spritzen winzige Allergen-
Lösungsmengen in die Haut gespritzt werden, ist zwar wesentlich empfindlicher,
bringt aber auch häufiger falsch positive Ergebnisse.

3. Bluttests: Spezifische IgE-Antikörper auf ein bestimmtes Allergen können
mittels Blutuntersuchung nachgewiesen werden.

4. Nachanamnese und Provokationstest: Das verdächtige Allergen wird unter
ärztlicher Aufsicht auf die Nasen- oder Konjunktivalschleimhaut aufgebracht.
Eine positive Reaktion hierauf beweist: auslösendes Allergen gefunden!
Therapie-Massnahmen

• Allergen-Karenz: Dies bedeutet Flucht vor den Allergie-Auslösern.
• Hyposensibilisierung: Das Immunsystem wird für das Allergen wieder
unempfindlich gemacht.
• Medikamente: Im Rahmen der Selbstmedikation primär angewendet
werden Mastzell-Stabilisatoren, Antihistaminika, seltener Glucocorticoide,
daneben _-Sympathomimetika, Meerwasser sowie Homöopathika
beziehungsweise Mineralien wie Calcium, Zink.


Allergene meiden

Allergen-Karenz, die auch die komplette Sanierung der Wohnräume beinhaltet,
ist schwer durchführbar. Dennoch hier einige praktische Tipps.

Für Pollen-Allergiker gilt:
• Wohnräume während der Pollenflugzeit tagsüber wenig lüften. Auf dem
Land ist die Pollenbelastung in den frühen Morgenstunden zwischen 4.00 Uhr
und 6.00 Uhr am höchsten, die beste Lüftzeit liegt hier zwischen 19.00 Uhr und
24.00 Uhr. In städtischen Gebieten ist gerade abends die Pollenkonzentration
am höchsten, die beste Lüftzeit liegt hier in den Morgenstunden zwischen 6.00 Uhr
und 8.00 Uhr.
• Beim Autofahren Lüftung ausschalten und Fenster geschlossen halten.
Für viele Automodelle sind auch Pollenfilter für die Lüftungsanlage erhältlich.
• Längere Aufenthalte im Freien (z.B. Sport) vermeiden oder einschränken.
• Abends möglichst keine Pollen ins Schlafzimmer einschleppen, das bedeutet:
- Vor dem Zubettgehen Haare waschen oder intensiv bürsten.
- Straßenkleidung außerhalb des Schlafzimmers ablegen.
• Gefahrenquellen wie blühende Zimmerpflanzen, Blumensträusse sowie Trocken-
gestecke und Stofftiere aus den Wohnräumen entfernen.
• Wäsche nicht im Freien trocknen lassen.
• Urlaubsplanung: Möglichst in der Zeit, in der die allergieauslösenden Pollen
in der Heimat fliegen, in pollenarme Feriengebiete fahren. Generell gut geeignet
sind Schiffsfahrten auf dem Meer, Meeres-Inseln oder das Hochgebirge.

Hausstaubmilben-Allergiker sollten beachten:
• Den Hauptaufenthaltsort der Milben das Bett, genauer Matratze, Kissen und
Decken mit atmungsaktiven Spezialüberzügen (Encasings) überziehen.
Sie schließen Milben und Milbenkot ein. Die normale Bettwäsche folgt darüber.
Solche Encasing-Überzüge sind über die Apotheke erhältlich.
• Wohnräume regelmäßig gut lüften und Schlafzimmer kühl und trocken halten.
• Möglichst viele Staubfänger aus dem Wohnbereich eliminieren. Regelmäßig
möglichst feucht Staubwischen und Staubsauger mit Mikrofiltern verwenden.

Haustier-Allergiker sollten sinnvollerweise ihr Haustier abschaffen. Falls eine
Trennung undenkbar ist, gilt zumindest:
• Wohnräume regelmäßig gut lüften und Haustier nicht ins Schlafzimmer lassen.
• Boden (möglichst glatte Flächen wie Fließen-, Parkett- oder Kunststoff- statt
Teppichböden) häufig wischen, möglichst nass.


Hyposensibilisierung

Hyposensibilisierung („unempfindlich machen“) ist die einzige Möglichkeit,
eine Allergie ursächlich zu behandeln. Das Therapieprinzip sieht vor, dem
Immunsystem die fehlerhafte Reaktion wieder abzugewöhnen. Dazu müssen
die allergie-auslösenden Stoffe zweifelsfrei und möglichst vollständig bekannt
sein. Der Allergiker bekommt im Laufe von meist drei Jahren langsam steigende
Dosen seiner Allergenlösungen gespritzt (klassische Hyposensibilisierung) oder
seltener alternativ in Tropfenform verabreicht (orale Hyposensibilisierung).
Die Dosierung wird von einem allergologisch erfahrenen Arzt immer so gewählt,
dass gerade noch keine allergische Reaktion ausgelöst wird. Der Körper
gewöhnt sich dadurch langsam an die steigende Belastung und entwickelt
wieder die nötige Toleranz gegenüber den allergieauslösenden Stoffen.
Speziell für Pollen-Allergiker existiert auch eine Kurzzeit-Immuntherapie, die
mit sechs bis sieben Allergenlösungs-Spritzen auskommt. Die Behandlung
muss für den jeweiligen Allergiepatienten vor Beginn seiner Allergiesaison
beendet sein. Umfangreiche Statistiken zeigen: Die Hyposensibilisierung ist
bei den meisten Heuschnupfen-Allergikern erfolgreich.



Was fliegt denn da?

Tägliche Polleninformations-dienste geben Auskunft, welche Pollenarten gerade durch die Luft schwirren beziehungsweise mit welcher Pollenkonzentration aufgrund der zu erwartenden Wetter-bedingungen (Windgeschwindigkeit, Luftfeuchtigkeit, Temperatur) gerechnet werden muss.

www.pollenflug.de

www.pharmazeutische
zeitung.de/pollen.htm


www.donnerwetter.de/pollen



Medikamentöse Hilfe

Mastzellen-Stabilisatoren

Sie erschweren die Ausschüttung der Mediatorstoffe, indem sie die Oberfläche
der Mastzellen abdichten. Die Wirkung ist vorbeugend, d.h. sie sollten schon vor
der Pollensaison oder dem Tierkontakt eingesetzt werden bei regelmäßiger
viermal täglicher Anwendung. Die volle Wirkung setzt erst nach 14 Tagen ein.
Wirkstoffe: Cromoglicinsäure, Nedocromil, Lodoxamid

Antihistaminika

Histamin-H1-Rezeptor-Antagonisten verdrängen quasi das ausgeschüttete
Gewebshormon Histamin von den Nervenenden. Zu empfehlen sind sie bei
akuten Beschwerden und auch zur täglichen Vorbeugung. Lokal angewendet tritt
die Wirkung meist innerhalb 5 Minuten ein, systemisch dauert es etwa eine Stunde,
dafür genügt dann die Gabe einmal täglich. Traten bei Vertretern der ersten
Generation häufig starke Ermüdungserscheinungen auf, sind mittlerweile
zahlreiche Substanzen nahezu ohne diesen sedierenden Effekt auf dem Markt.
Ein Problem vieler moderner H1-Antihistaminika ist allerdings ihre kardiotoxische
Wirkung in höheren Konzentrationen. Astemizol und Terfenadin wurden deshalb
wieder der Verschreibungspflicht unterstellt. Apothekenpflichtig und damit in der
freien Beratung stehen von den systemischen Wirkstoffen derzeit nur Cetirizin
und Loratadin. Bei letzterem wurde mittlerweile allerdings auch schon von der
Gefahr Kammerflimmern berichtet, bei Desloratadin scheinen sogar Fälle von
Leberschäden aufgetreten zu sein.
Wirkstoffe in Nasensprays und Augentropfen: Antazolin, Azelastin, Emedastin,
Levocabastin
Wirkstoffe in Tabletten, Dragees und Tropfen: Azelastin, Cetirizin, Levocetirizin,
Loratadin, Desloratadin, Ebastin, Fexofenadin, Mizolastin, Terfenadin

Glucocorticoide

Corticoide bremsen das Immunsystem und damit Entzündungsreaktionen drastisch.
Sie greifen an verschiedenen Stellen an. Ihre Wirkung tritt allerdings nicht sofort,
sondern erst nach gut 12 Stunden ein. Maximale Wirkintensität wird erst nach
einigen Tagen erzielt. Meist werden sie erst angewendet, wenn Mastzell-Stabilisatoren
oder Antihistaminika nicht die erhoffte Wirkung gezeigt haben.
Trotz Ungefährlichkeit örtlicher Cortisonanwendung unterliegen sie bis auf wenige
Ausnahmen der Verschreibungspflicht.
Wirkstoffe in Nasensprays oder Augentropfen: Beclometason, Budesonid, Flunisolid,
Fluocortinbutyl, Fluticason, Mometason, Triamcinolon
Wirkstoffe in Tabletten oder Depotspritzen: Prednisolon, Methylprednisolon

Sympathomimetika

Schleimhautabschwellende -Symphathomimetika können auch bei Heuschnupfen
kurzfristig Linderung bringen. Manche Ärzte empfehlen sie auch zu Beginn einer
Glucocorticoid-Therapie, damit sich das Corticoid in der freien Nase besser verteilen
kann. Länger als sieben Tage sollten diese allerdings nicht angewendet werden.
Wirkstoffe in Nasentropfen und -sprays: Naphazolin, Oxymetazolin, Tetryzolin,
Tramazolin, Xylometazolin

Meerwasser

Da Heuschnupfen-Geschädigte in der Zeit des Pollenflugs buchstäblich die
„Nase voll“ von Pollen haben, können die Schleimhäute zusätzlich gut mit
Meerwasser-Nasensprays gereinigt werden. Die allergischen Beschwerden werden
durch diese Maßnahme oftmals deutlich gemildert. In Vorbereitung auf die
Nachtruhe empfiehlt sich die Spülung der Nase mit Hilfe Meerwasser, Kochsalz-
Lösung, oder Emser Salz in einer Nasendusche.

Sonstige

Homöopathika weisen als Reiz- und Regulationstherapie in der Langzeitbehandlung
mit beispielsweise Galphimia glauca oder Luffa operculata ebenfalls Erfolge auf.
Daneben helfen unterstützend auch manche Mineralien. Neben seiner bekannten
Funktion für Knochenaufbau und -stabilität hemmt Calcium unter anderem auch
die Histamin-Ausschüttung. Zink stärkt das Immunsystem, womit die Gefahr
allergischer Reaktionen ebenfalls sinkt.

Ausblick
Daneben stehen Neuentwicklungen schon in den Startlöchern. Ein ganz neues
Wirkprinzip gegen allergische Rhinitis wären Anti-IgE-Körper, die unspezifisch die
körpereigenen IgE-Antikörper blockieren würden [Omalizumab (Xolair®), Fa. Novartis].
Und auch ein Leukotrienantagonist [Montelukast (Singulair®), Fa. MSD], derzeit
gegen Asthma bronchiale auf dem Markt soll die Beschwerden der allergischen
Rhinitis signifikant verringern.

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